Zur Geschichte des AJC und der Villa
Zu den Anfängen der AJC
Die Geburtsstunde der Aktion Jugendclub
Als Michael Kewitz an einem Abend im April 1971 durch die Goethestraße lief, sah er einen Kabelmast, der quer über der Straße lag und anscheinend von einer nahe gelegenen Baustelle entwendet wurde. Daneben saßen mehrere Jugendliche. Nach kurzer Zeit traf ein Mannschaftswagen der Polizei ein und nahm die Jugendlichen recht brutal und ohne große Worte zu machen fest. (vgl. Protokoll der AJC Vollversammlung vom 11. Juni 1972)
Für Michael Kewitz ein Schlüsselereignis. Ihm wird klar, Jugendliche in Wedel haben keinen Ort, an dem sie sich treffen können außer auf der Straße oder in Kneipen. Daraufhin gründete er mit anderen die Aktion Jugendclub.
Die gesellschaftliche Ausgangslage am Ende der sechziger Jahre war eine ganz andere als heute: Die Jugendlichen setzten sich gegen autoritäres Verhalten durch die Polizei, in der Familie, in Schule und Universität zur Wehr. Nicht ohne Grund bezeichneten sich die Schüler, Lehrlinge und Studenten als antiautoritäre Bewegung. Sie wollten die Strukturen der als autoritär erlebten Gesellschaft, die von ihren Eltern verantwortet wurde, aufbrechen und demokratisieren. Dazu setzten sie sich mit den Verbrechen ihrer Vätergeneration im Nationalsozialismus auseinander, forderten demokratische Rechte ein und versuchten revolutionäres Gedankengut zu verbreiten. Mit welchen Erfahrungen Jugendliche in Wedel vor 55 und mehr Jahren noch zu leben hatten, sollen folgende Beispiele illustrieren:
1. An der damaligen Ernst-Barlach-Realschule rutschten einigen Lehrern Ende der sechziger Jahre noch die Hände aus. Zum Glück gab es gerade das „Coffee-House“ in der Mühlenstraße Nr. 5, eine selbstorganisierte Ladenwohnung, wo sich engagierte Schüler der Ernst-Barlach-Schule mit Gymnasiasten trafen und gemeinsam gegen die Prügelstrafe vorgingen. Daraus entstand eine Pressekampagne, die die Vorgänge öffentlich machten. Auch der Spiegel berichtete in einem Artikel unter der Überschrift „Stets väterlich“ vom 10.3.1969 davon: „Schüler der Oberschule im holsteinischen Wedel verteilten in der vorletzten Woche hektographierte Flugblätter und beriefen eine Pressekonferenz ein. Thema: Prügel an der Wedeler Ernst-Barlach-Realschule.
Oberprimaner Henrik Becker, 20, Obersekundaner Till Martin, 16, und andere Gymnasiasten erzählten, was Realschüler „aus Furcht vor Repressalien ihrer Lehrer“ nicht selber öffentlich sagen mochten. Unter anderem behaupteten sie, dass
* der Wedeler Realschulrektor Rudolf Balz den 14jährigen Michael Stelling wegen einer unzureichenden Strafarbeit so traktierte, „daß er in den Papierkorb flog“. Dazu Balz: „Er muß labil gestanden haben und stolperte, fiel aber nicht in den Papierkorb.“
* der Physiklehrer Manfred Wetzling seine Schüler mit Schimpfnamen wie „Rotzkopf, Flöötz, Flegel, Trottel oder mickriger Kerl“ belegte. Dazu Wetzling: „Nur Flegel und Trottel, weil das den Tatbestand beschreibt.“
* die Zeichenlehrerin Gerda Damm den 16jährigen Hannes Körner „fünfmal rechts und links“ ohrfeigte“ weil er nicht malte, wie er sollte. Dazu Gerda Damm: „Das stimmt. Wir Lehrer sind zwar alle der Meinung: Ich will nicht schlagen, und ich tu“s nicht. Trotzdem kommt es immer wieder vor. Wir sind eben alle überbelastet.“…“
2. Die Frankfurter Rundschau vom 24.2.1970 berichtete folgendes Geschehen: Am 2. Februar 1970 betraten zwei Beamte der Kreiskriminalpolizei Pinneberg das Johann-Rist-Gymnasium und vernahmen mit voller Zustimmung der Schulleitung in einem Nebenzimmer fünf Schülerinnen und einen 13jährigen Schüler, der gegenüber den Mädchen geprahlt hatte, dass er ihnen jederzeit Haschisch beschaffen könne.
Daraufhin wurde der Schüler für den Nachmittag auf die Polizeiwache bestellt und ihm eingeschärft, seine Eltern nicht zu informieren. Der Schüler tat wie ihm geheißen und führte nun als Lockvogel die Beamten zu einem älteren Schüler, den er als Haschischlieferanten benannt hatte. Die Polizei nahm beide Schüler fest – den Lockvogel allerdings nur pro forma. Die Beamten jedoch hatten Pech: Sie fanden kein Gramm Haschisch und wurden zudem vom Bundesvorsitzenden der Polizeigewerkschaft scharf gerügt, denn sie ließen fundamentale strafprozessuale Bestimmungen zur Vernehmung von Zeugen außer acht. (Frankfurter Rundschau, Dienstag, 24. Februar 1970, Nr.46: „Kein Gramm Haschisch – doch Vertrauen für den Direktor“)
Wolfgang Glashoff betrieb in den Jahren 1969 /70 einen sozialistischen Bücherladen in der Mühlenstr. 5 und verkaufte auch Platten und Poster. Der Laden war mehr als ein Geschäft, er war auch ein Treffpunkt für Jugendliche. Der Obrigkeit war dieser Laden suspekt und so kamen sie öfters zu Besuch. Das dadurch geschaffene Klima der Angst und Repression beeinträchtigte sicherlich auch den wirtschaftlichen Erfolg.
Da kann man sich vorstellen, dass es für die Jugendlichen wichtig war, über einen repressionsfreien Raum zu verfügen, wie es beispielsweise das „Coffee-House“ war. Das „Coffee-House“ hatte allerdings nur ein halbes bis dreiviertel Jahr Bestand, so etwa von Ende 1968 bis Ende April 1969. Dann kam das Ordnungsamt und schloss den in einer kleinen Ladenwohnung in der Mühlenstr. 5 eingerichteten und aus Privatinitiative gegründeten Treffpunkt, weil es keine getrennten Toiletten für Männlein und Weiblein gab.
Wie auch in vielen anderen westdeutschen Städten lag der Ruf nach selbstorganisierten, offenen Treffpunkten bzw. Jugendzentren in der Luft. Im April 1971 richtete ein Wedeler Bündnis verschiedener Jugendgruppen eine Anfrage an den Magistrat, ob in naher Zukunft die Absicht bestünde, ein Jugendzentrum zu bauen. Die Stadtverantwortlichen verneinten dies. Michael Kewitz und seine Mitstreiter luden dann per Flugblatt zum 18. Mai 1971 in die Gaststätte Scharpe Eck ein. Diesem Aufruf folgten 112 Jugendliche, die sogleich beschlossen eine Aktion Jugendclub zu gründen und ihrer Forderung nach einem Jugendzentrum, mit einem Zeltlager ab dem 21. Mai 1971 auf dem Rathausplatz Nachdruck verliehen. Nach dieser spektakulären Aktion fanden die ersten Gespräche mit Politikern statt.
Das schon länger existierende Haus der Jugend kam als Treffpunkt für viele ältere Jugendliche nicht in Frage. Schon Mitte 1971 kritisierte die neu formierte Aktion Jugendclub den autoritären Charakter des Jugendhauses. Jugendliche wurden damals erst mit 21 Jahren volljährig. Manch „Jugendlicher“ war den hauptamtlichen Kräften im Haus der Jugend nicht nur körperlich deutlich überlegen. Wer will sich da etwas sagen lassen?
Eine Unterkunft war aber nicht in Sicht. Als dann die Feuerwehr am … in ihr neues Gebäude an der Schulauer Str. einzog, wurde die alte Feuerwache in der Pinneberger Str. 9 frei.
Die Jugendlichen befanden das Haus für ihr Vorhaben geeignet und die Stadtvertreter konnten sich auch mit der Idee anfreunden. Noch war aber viel zu tun: Das Haus musste für die Belange der Jugendlichen umgebaut, hergerichtet und renoviert werden. Die städtischen Mittel waren limitiert, so dass die Jugendlichen Spendengelder einsammelten, selber Hand anlegten und Sperrmüllmöbel zusammensuchten. Außerdem forderte die Stadt die Jugendlichen auf, einen Verein zu gründen und sich eine Satzung zu geben als Voraussetzung für einen Nutzungsvertrag mit der Stadt.
Der erste Vereinsvorstand der Aktion Jugendclub begann im Dezember 1971 mit seiner Arbeit. Ungefähr ein Jahr sollte es noch dauern bis in der alten Feuerwache die AJC-Eröffnung gefeiert werden konnte. Bis dahin war noch ein langer Weg zu gehen. Die zumeist noch nicht 21jährigen und damit nicht volljährigen Jugendlichen konnten keinen eingetragenen Verein gründen. Die Eltern der Jugendlichen mussten daher für ihre Kinder ihr Einverständnis abgeben.
Schon während der Renovierungsarbeiten zeigte sich, dass sich nur wenige Jugendliche aktiv am Geschehen beteiligten. Die meisten Jugendlichen kamen ins Haus, um zu klönen oder rumzuhängen. Um wenigstens in Ruhe arbeiten zu können, war ab Mitte 1972 das Haus nur für die Arbeitsgruppen geöffnet. Am 2. Dezember 1972 war es dann endlich soweit: Mit dem Auftritt von Whiskey Train, der Band um Ole West, begann die schöne Zeit der Aktion Jugendclub.

Abbildung 1: Die Polizei stattet dem Sozialistischen Bücherladen einen Besuch ab

Abbildung 2: Die alte Feuerwache in der Pinneberger Str. 9
Das schon länger existierende Haus der Jugend kam als Treffpunkt für viele ältere Jugendliche nicht in Frage. Schon Mitte 1971 kritisierte die neu formierte Aktion Jugendclub den autoritären Charakter des Jugendhauses. Jugendliche wurden damals erst mit 21 Jahren volljährig. Manch „Jugendlicher“ war den hauptamtlichen Kräften im Haus der Jugend nicht nur körperlich deutlich überlegen. Wer will sich da etwas sagen lassen?
Eine Unterkunft war aber nicht in Sicht. Als dann die Feuerwehr am … in ihr neues Gebäude an der Schulauer Str. einzog, wurde die alte Feuerwache in der Pinneberger Str. 9 frei. Die Jugendlichen befanden das Haus für ihr Vorhaben geeignet und die Stadtvertreter konnten sich auch mit der Idee anfreunden.
Noch war aber viel zu tun: Das Haus musste für die Belange der Jugendlichen umgebaut, hergerichtet und renoviert werden. Die städtischen Mittel waren limitiert, so dass die Jugendlichen Spendengelder einsammelten, selber Hand anlegten und Sperrmüllmöbel zusammensuchten. Außerdem forderte die Stadt die Jugendlichen auf, einen Verein zu gründen und sich eine Satzung zu geben als Voraussetzung für einen Nutzungsvertrag mit der Stadt. Der erste Vereinsvorstand der Aktion Jugendclub begann im Dezember 1971 mit seiner Arbeit. Ungefähr ein Jahr sollte es noch dauern bis in der alten Feuerwache als das Haus der AJC Eröffnung gefeiert werden konnte. Bis dahin war noch ein langer Weg zu gehen. Die zumeist noch nicht 21jährigen und damit nicht volljährigen Jugendlichen konnten keinen eingetragenen Verein gründen. Die Eltern der Jugendlichen mussten daher für ihre Kinder ihr Einverständnis abgeben.
Schon während der Renovierungsarbeiten zeigte sich, dass sich nur wenige Jugendliche aktiv am Geschehen beteiligten. Die meisten Jugendlichen kamen ins Haus, um zu klönen oder rumzuhängen. Um wenigstens in Ruhe arbeiten zu können, war ab Mitte 1972 das Haus nur für die Arbeitsgruppen geöffnet. Am 2. Dezember 1972 war es dann endlich soweit: Mit dem Auftritt von Whiskey Train, der Band um Ole West, begann die schöne Zeit der Aktion Jugendclub.
Immer Ärger mit den Nachbarn
Schon relativ früh in der Geschichte der Aktion Jugendclub traten die Nachbarn auf den Plan. Die AJC war ja umgeben von Wohnungen und direkt nebenan wohnte auch noch CDU Stadtrat Jürgen Strohsal.
Deshalb wurde die Feuerwache schon immer eher als ein vorübergehendes Domizil für die AJC betrachtet. Der Ärger war vorprogrammiert: An- und abfahrende Fahrzeuge; Besuchergruppen, die nachts lautstark das Haus verließen oder laute Musik, die nach außen drang, entnervten die Nachbarn. Akribisch wurden die Vorfälle schriftlich fixiert und Beschwerde bei der Stadt eingereicht. Hier ein Brief von Nachbar Paul Fugmann an den 1. Stadtrat Neumann-Silkow:


Obwohl baulich einiges getan wurde, um den Lärm nicht nach außen dringen zu lassen und den Besuchern eingeschärft wurde, ihre Fahrzeuge weiter weg zu parken und leise die AJC zu verlassen sowie Gespräche mit den Nachbarn geführt wurden, blieb das Verhältnis zu den Nachbarn stets gespannt.
Schließlich sah sich der Magistrat gezwungen, einseitig in das Vertragsverhältnis mit der AJC einzugreifen und legte über eine Nutzungsordnung Öffnungszeiten fest. Hier zeigte sich das erste Mal in der AJC Geschichte, dass die Stadt den nicht eingetragenen Verein Aktion Jugendclub nicht als gleichberechtigten Vertragspartner wahrnahm. Mit Einführung der Öffnungszeiten rissen die Beschwerden aber nicht ab: Veranstaltungen mussten hin und wieder abgebrochen werden und wenn der Laden geschlossen wurde, kam auch mal Unmut auf, der lautstark artikuliert wurde.
Wir fanden, dass die Öffnungszeiten auch nicht der Weisheit letzter Schluss war und forderten die Abschaffung. Bei der SPD fanden wir Gehör und nachdem diese 1978 gemeinsam mit der FDP eine Mehrheit in der Ratsversammlung stellte, gingen wir daran den Knebel der Öffnungszeiten zu abzustreifen.
Der Magistrat blieb nach wie vor eher CDU dominiert – zumindest gefühlt – durch die Stimmen des Bürgermeisters Hörnig und dem Ersten Stadtrat Neumann-Silkow, in dessen Ressortzuständigkeit die AJC fiel, fand die CDU Meinung im Magistrat oft eine Mehrheit. Nach der Mitgliedervollversammlung vom 4. Februar 1979 verkündeten wir, die Öffnungszeiten nicht mehr einhalten zu wollen. In der Folge wurde der Vorstand der AJC und die Nachbarn zu einem Gespräch beim Magistrat eingeladen.
Nachdem dort keine Einigung erzielt werden konnte, beantragte Nachbar und CDU Ratsherr Strohsal, städtische Bedienstete über die Öffungszeiten wachen zu lassen und forderte bei Ungehorsam, Haushaltsmittel der AJC zu kürzen. Zudem fügte er eine Liste mit angeblichen Vorkommnissen aus der Osterwoche bei. Wir wehrten uns mit Flugblättern, Presseerklärungen und einem Gegenantrag an den Magistrat. Auf der Stadtvertreterversammlung, die mehr als 100 AJC’lerInnen besuchten, wurde schließlich der CDU Antrag abgelehnt. Seitdem hielten wir uns nicht mehr an die ehemals einseitig diktierten Öffnungszeiten.
Weil der ständige Ärger mit der Nachbarschaft auf beiden Seiten viel Kraft gekostet hatte, war uns sehr daran gelegen, für unser zukünftiges Haus einen Ort zu finden, der in dieser Hinsicht nicht so viel Konfliktstoff bot. Obwohl Anlieger der Heinsohn’schen Villa schon vor unserem Umzug dagegen protestierten, gab es in den Jahren von 1983 bis 1987 von den dortigen Nachbarn wenig Beschwerden.

Der lange Kampf um die Heinsohn’sche Villa
Im Grunde war schon in den ersten Jahren der Aktion Jugendclub in der Feuerwache klar, dass dies nur ein vorübergehender Standort sein sollte. Im Flächennutzungsplan wurde gar keine Änderung vorgenommen, d.h. mit anderen Worten ein Jugendzentrum war so gesehen in der Feuerwache gar nicht zulässig. Schon 1974 schlug die CDU vor, für die AJC einen Neubau in der Nähe der Albert-Schweitzer-Schule zu errichten. Dieser Vorschlag wurde aber abgelehnt. Stattdessen richtete die Stadt 1975 einen Planungsbeirat für Jugendfreizeitanlagen in Wedel ein. Dieser Beirat setzte sich aus Wissenschaftlern, Politikern und Jugendlichen zusammen und tagte lange 3 Jahre bis er 1978 seinen Abschlussbericht vorlegen konnte.
Für Jugendliche ist das ein langer Zeitraum und die wenigsten Vertreter blieben von Anfang bis Ende dabei. So kam es, dass ich an der letzten Sitzung des Planungsbeirates als AJC Vertreter daran teilnahm. Wohl war mir dabei nicht, denn ich war gerade neu im AJC aktiv geworden und hatte keine Ahnung von der Vorgeschichte. Wie sollte ich da die AJC Position vertreten? Aber mir wurde gesagt, dass da nicht mehr viel passieren würde und ich nur dem Ergebnis zustimmen müsste. Für die AJC sah der Bericht die Beibehaltung der Selbstverwaltung und eine Verlagerung vor.
Das dafür am besten geeignete Gebäude von 10 untersuchten Standorten war die Heinsohn’sche Villa in der Mühlenstr. 35, die bis dato noch vom Bauamt genutzt wurde. Ebenso auf der Liste befanden sich noch andere städtische Gebäude, wie die frühere Stadtbücherei in der Bahnhofstraße und das ehemalige Stadtwerkegebäude am Rosengarten (inzwischen abgerissen). Wir wollten jetzt die Verlagerung in die Heinsohn’sche Villa vorantreiben und nachdem wir den Knebel der uns auferlegten Öffnungszeiten erfolgreich abstreifen konnten, gingen wir guten Mutes an die Sache heran.

Aber schon Mitte 1979 bildete sich eine Interessengemeinschaft von Anwohnern der Heinsohn’schen Villa, um sich unseren Plänen entgegen zu stellen. In der Stadtvertretersitzung vom 13.9.1979 lehnte dann eine Mehrheit von CDU und FDP die Verlagerung in die Villa ab. Stattdessen sollte ein von uns gebildeter Arbeitskreis die Standorte Stadtbücherei, Stadtwerkegebäude und Heinsohn’sche Villa auf Lärmbelästigung der Nachbarn, entstehende Kosten und Nutzungsmöglichkeiten hin überprüfen. Wir ließen die letzten beiden Punkte außer acht und analysierten die drei Standorte nur im Hinblick auf die mögliche Lärmbelästigung der zukünftigen Nachbarn, weil das der Punkt war, der uns in der gesamten Zeit in der Feuerwache viel Ärger eingebracht hatte. Das Ergebnis war eindeutig: In Frage kam nur die Heinsohn’sche Villa. Wir legten unsere Ergebnisse dem Jugend- und Sportausschuss vor, deren Vertreter sich in Bezug auf die Stadtbücherei in der Bahnhofstraße mit uns einig waren, dass sie ungeeignet war. Das Stadtwerkegebäude blieb aber im Rennen bis sich die CDU Ende 1979 dagegen aussprach und stattdessen einen Neubau auf dem Gelände hinter dem Theater Wedel vorschlug. Die Sanierungskosten der Heinsohn’schen Villa (nur für die Bauerhaltung mussten mehrere 100.000 DM investiert werden) waren plötzlich kein Thema mehr, denn ein Neubau wäre deutlich teurer geworden.
Wir wollten aber keinen Neubau, da wir eine kalte und ungemütliche Atmosphäre befürchteten. Trotzdem drängte vor allem die Verwaltung mit dem 1. Stadtrat Neumann-Silkow darauf, dass wir unabhängig von irgendwelchen räumlichen Zwängen ein Raumprogramm vorlegen sollten. Das lehnten wir ab, weil klar war, dass das nur einem Neubauprojekt dienlich sein konnte. Am 4.6.1980 bestätigte ein mittlerweile beauftragter Akustikingenieur, dass die möglichen Lärmemissionen der Villa technisch in den Griff zu bekommen seien und dass er keine Bedenken hege gegen eine Nutzung als Jugendzentrum.

Am Donnerstagabend des 28. Augusts 1980 führte die Kriminalpolizei Pinneberg eine Drogenrazzia im AJC durch. Kein übliches Vorgehen – jedenfalls war es in der bisher achtjährigen Geschichte des AJC ein einmaliges Vorkommnis und sollte es auch zukünftig bleiben. Sie fanden zum Glück nichts, obwohl ein Drogenspürhund dabei war und alle Besucher des Hauses Leibesvisitationen über sich ergehen lassen mussten. Da wurde uns klar: Der Umzug in die Villa lässt sich nur noch verhindern, wenn die AJC vorher geschlossen wird. Das erste und einzige Mal in der fast 15-jährigen AJC Geschichte organisierten wir eine Demo in Wedel, die am 11.9.1980 vom Gorch-Fock-Platz zum Marktplatz an der Spitzerdorfer Straße verlief, um kundzutun, dass wir uns die Heinsohn’sche Villa nicht mehr nehmen lassen.
Die zukünftigen Nachbarn der Villa stemmten sich zwar mit einer Eingabe beim Innenminister nochmal gegen den Umzug, aber mehr Sorgen bereitete uns unser altes Zuhause in der Pinneberger Straße Nr. 9. Nach der Drogenrazzia gaben auch das Gesundheitsamt, die Baupolizei und der Kreisjugendpfleger ihr Stelldichein. Das konnte doch kein Zufall sein. Beweise für eine Verschwörung hatten wir aber nicht. Im Februar nahmen Gesundheitsamt, Kreisjugendpfleger Fichte und Jugendschutzbeauftragter des Kreises Bodo Kottenstein nochmals einen Anlauf unseren Jugendclub zu schließen. Doch es sollte ihnen nicht gelingen.
Nachdem dann ein paar Jugendliche in der leerstehenden Villa im Mai 1982 auch noch einen Brand gelegt hatten, den die Feuerwehr zum Glück schnell löschen konnte, war es dann fast geschafft: Im Oktober 1982 begannen wir mit den Einrichtungsarbeiten und kurz vor der Einweihungsfeier stimmte der Schleswig-Holsteinische Innenminister zu, dass die Villa als Jugendzentrum genutzt werden kann. Im Februar 1983 feierten wir den lang ersehnten Einzug in die Heinsohn’sche Villa.
This is the end my friend
Ich hatte meine aktivste Phase im AJC in den Jahren 1979 bis zum Einzug in die Villa im Februar 1983. In dieser Zeit war ich auch Mitglied im Vorstand. Da war die AJC buchstäblich mein zweites Zuhause. Mit dem Umzug in die Heinsohnsche Villa zog ich mich aus der Vorstandsarbeit zurück und wollte Platz machen für Jüngere. Im Herbst des gleichen Jahres hatten Stefan, Jens, Christoph und ich endlich auch eine Wohnung für unsere WG gefunden und verbrachten nun mehr Zeit bei uns zu Hause. Trotzdem blieb ich mit den Leuten im AJC im engen Kontakt und beteiligte mich an den Diskussionen. Zum Ende hin – also 1987 – trat ich mangels Personal sogar wieder in den Vorstand ein. Insofern hab ich das Ende hautnah miterlebt und will euch darüber berichten:
Dazu muss ich etwas weiter ausholen, denn das Ende zeichnete sich schon deutlich früher ab. Schon 1984 diskutierten wir über strukturelle Neuerungen für die AJC , die aus sich verändernden gesellschaftlichen Verhältnissen resultierten (hauptsächlich mit Leuten vom „Zweiten Frühling“, eine Gruppe von älteren AJC’lern, die im Obergeschoss zwei Räume als Teestube betrieben und die sich dann – als sich eine Professionalisierung noch nicht durchsetzen ließ – auflösten). Auf diese gesellschaftlichen Entwicklungen will ich hier nicht im Detail weiter eingehen, obgleich sie sicher eine wichtige Rolle spielten. Auf eine kurze Formel gebracht: Neoliberales Gedankengut gewann nach und nach die Oberhand; soziale Errungenschaften wurden abgebaut; Konkurrenz , um die knapper werdenden Arbeitsplätze bestimmten zunehmend das Denken; Privatfernsehen wurde eingeführt, Videotheken und Spielhallen schossen wie Pilze aus dem Boden und Jugendliche sowie Jungerwachsene verfügten über mehr Geld als noch in den Siebzigern. Dadurch gerieten sie in den Fokus von Konsum orientierten Angeboten. Zum Beispiel öffneten Kneipen, die vorwiegend auf ein jugendliches Publikum abzielten, wie der „Gröne Born“, das „BWC“ oder das „American Billard“. Darüber hinaus öffnete auch die Großdisko „Mr. Pomeroy“ ihre Pforten. Die AJC hatte nicht mehr die Austrahlung wie in den siebziger Jahren und verlor Mitte der Achtziger an Attraktivität, um eine große Anzahl von Jugendlichen für selbst gestaltete und selbst organisierte Freizeitangebote zu begeistern. Es fehlte also die Basis bzw. Masse an Besuchern, die so ein Haus wie die Villa gefüllt und gerechtfertigt hätte. Die geburtenschwächeren Jahrgänge ab 1970 mögen evtl. auch ihren Teil dazu beigetragen haben, dass nicht mehr so viele Jugendliche ihren Weg in die Heinsohnsche Villa fanden. Jedenfalls gab es nur noch einen geringen Zulauf an neuen Besuchern in die AJC. Eine davon war Ina, die wir lange Zeit „die Neue“ nannten, wenn wir über sie sprachen.
Es gab sie aber dennoch, die kleine eingeschworene Gemeinschaft von vielleicht 30 bis 40 Personen, die das Haus nach wie vor als Treffpunkt nutzte und Veranstaltungen organisierte. In meinen Augen war auch nie entscheidend, wieviele Jugendliche die Räume der AJC für sich zu nutzen wussten. Das stellte für mich nie das Prinzip Selbstverwaltung in Frage. Die AJC war ein Experimentierfeld für Jugendliche. Da geht auch viel schief. Insofern gab es immer bessere und schlechtere Zeiten. Hauptsache, es gab diese Möglichkeit, auch wenn es zeitweise nur wenige waren. In meiner Erinnerung waren es auch in guten Zeiten nur etwa 10 Leute, die die Fäden in der Hand und den Laden am Laufen hielten. Nur zu besonderen Aktionen – insbesondere der Umzug in die Villa kommt mir da in den Sinn – konnten wir mehr Leute dazu bringen, sich zu engagieren. Während viele aktive AJC’ler früherer Generationen sich auch parteipolitisch in Wedel engagierten, orientierte sich die letzte Generation aktiver AJC’ler eher an den Kämpfen in Hamburg für besetzte Häuser und der „Roten Flora“. So wurde zum Beispiel in der Sylvesternacht 1986/87 spontan ein Transparent an den Balkon gehängt mit der Aufschrift: „Jeder Stein, der abgerissen, wird von uns zurück geschmissen“. Das verursachte zu der Zeit einigen Wirbel. Noch am Neujahrsmorgen rief Bürgermeister Balack deswegen bei mir in der WG an und sahen bürgerkriegsähnliche Zustände in Wedel am Horizont heraufziehen. Ich versuchte ihn zu beschwichtigen und meinte, das wäre mit Sicherheit nur symbolisch gemeint. Ich selbst hatte Sylvester nicht im AJC gefeiert und wusste auch nicht, was genau passiert war. Doch ich musste Herrn Balack versprechen, mich der Sache anzunehmen. Wir diskutierten daraufhin die Aktion auf der nächsten MAS (Mitarbeitersitzung) bzw. dem nächsten Plenum, wie unsere Treffen inzwischen genannt wurden und kamen überein, das Transparent gegen den Text: „Solidarität mit der Hafenstraße!“ auszutauschen. Für viele der damals aktiven AJC’ler lag es nahe, nach Hamburg zu ziehen und sich an den dortigen Kämpfen zu beteiligen. Die AJC war nicht mehr eine existentielle Angelegenheit, für die sich ein langer Kampf oder eine Hausbesetzung lohnte. Für die Gruppe der älteren AJC’ler, zu der ich mich selbst auch zählte, wäre es auch nur noch ein Stellvertreterkampf gewesen, um einen Freiraum für nachfolgende Generationen offen zu halten. Wir kämpften nicht mehr mit der letzten Entschlossenheit für das Haus. Ja, ziemlich viel Kampf. Das mutet aus heutiger Perspektive komisch an. Aber „Kampf“ war eine der Kategorien, in denen wir dachten.

Die AJC war seit ihres Bestehens ein umkämpfter Raum. Insbesondere die Junge Union und die Wedeler CDU hatten das Prinzip der Selbstverwaltung nie akzeptiert. Hin und wieder mussten sie zwar eingestehen, dass die Selbstverwaltung zumindest zeitweise ganz gut funktionierte, sobald es aber nicht so gut lief, standen sie gleich auf der Matte und forderten Konsequenzen. Und auch in der Stadtverwaltung und bei Teilen der SPD setzte sich die Meinung durch: Wenn das Haus nicht ausreichend genutzt wird, dass die Selbstverwaltung offenbar nicht funktioniere und etwas getan werden müsste. Die Villa ist zudem eines der schönsten Gebäude in der Stadt, liegt zentral am Bahnhof und direkt gegenüber dem Rathaus. Dementsprechend hatten wir viele Neider und aus den Augen ließen uns die Herren aus dem Rathaus auch nicht. Wir nutzten die (un)günstige Lage denn auch, um unsere Forderungen oder Veranstaltungen per Transparent kund zu tun. Das sich etwas verändern musste, sahen wir allerdings auch und strebten eine Weiterentwicklung unseres Jugendzentrums zu einem Kommunikationszentrum an, in dem auch professionelle Kräfte eingesetzt werden sollten. Inzwischen deckten wir ohnehin bestimmte Bereiche mit Honorarkräften ab, wie die Reinigung der Toiletten und hatten etwa seit 1985 auch einen Zivi, der viele Aufgaben übernahm. Eine Professionalisierung war auch deswegen notwendig, weil Probleme mit schwierigen Besuchern zunahmen und uns überforderten.
Zum Problem, wie der Übergang vom Jugendzentrum zum Kommunikationszentrum zu bewerkstelligen sei, gab es durchaus unterschiedliche Meinungen innerhalb der Gruppe der AJC’ler. Auch die vorgreifende Selbstauflösung hatte Anhänger in unseren Reihen. Mitte Mai 1987 erklärte die Stadt in einem Schreiben die Verhandlungen über die Einbeziehung anderer Nutzergruppen als gescheitert und schlug vor, den Vertrag ab Juni 1987 außer Kraft zu setzen. In unserem Antwortschreiben wiesen wir darauf hin, dass die Vereine, die in der Stadt auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten waren, wie z.B. die AWO, Johanniter und Kindertreff und mit denen wir uns in Verbindung setzen sollten, in unserer Vorstellung eines Kommunikationszentrums nicht zu integrieren wären. Zumal diese Vereine für sich feste Räume beanspruchten, die sie dann allein nutzen wollten.
Wir führten dann weiter aus, wie wir uns den künftigen Weg vorstellten. Dieses Schreiben war das Ergebnis der Mitarbeitersitzung vom 17.05.1987 und wurde der Stadt -mangels Erfahrung des Verfassers- ohne Anschrift und Absender zugestellt. Auf dieses Schreiben komme ich später nochmal zurück.
Die AJC war nie ein eingetragener Verein. Zur Gründungszeit der Aktion Jugendclub 1971 bis einschließlich 1974 wurde man erst mit 21 Jahren volljährig. Deshalb konnten die zumeist jüngeren AJC Mitglieder keinen eingetragenen Verein gründen. Im Laufe der Jahre stellte niemand mehr diese Konstruktion in Frage. Im Gegenteil wurde es für gut befunden, um eine enge Bindung an die Stadtverwaltung zu schaffen. Wir waren sozusagen ein städtisches Jugendzentrum. Es gab feste Ansprechpartner, wie den Stadtjugendpfleger bzw. Streetworker und wir wussten, an wen wir uns bei Konflikten zu wenden hatten. Es gab also konkrete Personen mit Namen und Gesicht auf die wir zugehen konnten. Bei außerplanmäßigen Ausgaben, wie zum Beispiel unvorhergesehene Reparaturen, konnte die Stadt kurzfristig einspringen. Ein eingetragener Verein muss mit dem Geld auskommen, das er für das Jahr beantragt hatte. Außerdem waren wir nicht so sehr an die Formalien gebunden, die ein eingetragener Verein zu beachten hat.
Nachteil war sicherlich, dass es einfacher war, einen nicht eingetragenen Verein einfach fristlos zu kündigen bzw. einfach Fakten zu schaffen und die Schlösser zu tauschen. Jedenfalls passierte genau das am 1. Juni 1987, da angeblich die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet sei. Wir fielen aus allen Wolken. Abends versammelten sich dann 25 unzufriedene Jugendliche vor der Villa und beschlossen, ein Gespräch mit Bürgermeister Balack einzufordern. 15 Minuten kostbarer Bürgermeisterzeit wurde uns zugestanden. Ungeachtet der Worte des Bürgermeisters, dass ein Übergangsvertrag geschlossen werden könnte, beschloss der Magistrat in seiner Sitzung am 1. Juni 1987 den Vertrag mit der AJC fristlos zu kündigen. Nachgeschoben wurde dann noch eine neue Begründung, da sich in dem oben erwähnten Schreiben folgender Satz eingeschlichen hatte: „Das bedeutet, dass die AJC sich auflöst…“ Der Magistrat las daraus „aufgelöst hat“, gemeint war aber „auflösen wird“. Einen offiziellen Auflösungsbeschluss seitens der AJC, der durch eine Mitgliedervollversammlung hätte gefasst werden müssen, gab es aber nie. Das wäre bei einem eingetragenen Verein so sicherlich nicht möglich gewesen.

In der Ratsversammlung vom 11. Juni versuchten wir noch über die Grünen bzw. Gernot, der früher auch aktiv im AJC war, die Vertragskündigung rückgängig zu machen. Aber sein Antrag fand keine Mehrheit. Beschlossen wurde dann mit den Stimmen der SPD, dass im Herbst ein Kommunikationszentrum in Selbstverwaltung in der Heinsohnschen Villa wieder eröffnen sollte. Aber das wussten wir auch: Was weg ist, ist weg. In einem letzten resignativen Schreiben bzw. einer letzten Presseerklärung haben wir uns dann nochmal zu Wort gemeldet und die Dinge so hingenommen wie sie waren. Wir hatten keine Lust mehr, für das Haus zu kämpfen. Das war das Ende der selbstverwalteten Aktion Jugendclub.
(Die Geschichte ging dann so weiter, dass alle Vereine und Gruppen, die an einer Neukonzeption für die Heinsohnsche Villa mitarbeiten wollten, sich im Rathaus zusammen fanden und beschlossen, sich zwei Kommunikationszentren in Schenefeld und Kiel anzusehen. Anschließend wurden potentielle Träger aufgefordert, Konzeptionen für ein Kommunikationszentrum einzureichen und schließlich fand der IB (Internationale Bund für Sozialarbeit), der damals auch der Träger des Kommunikationszentrums in Schenefeld war, die politische Mehrheit für sein Konzept. Wir vom AJC hatten auch einen Konzeptvorschlag eingebracht, hätten dann aber einen Verein gründen müssen. Da wir nicht als Berufsjugendliche enden wollten, ließen wir es sein. Die Selbstverwaltung ging natürlich über Bord bzw. wie Neumann-Silkow, der damalige 1. Stadtrat und zuständig in dieser Angelegenheit meinte: „Der neue Träger verwaltet sich doch selber“.
Die Villa unter Trägerschaft
Die Geschichte ging dann so weiter, dass alle Vereine und Gruppen, die an einer Neukonzeption für die Heinsohnsche Villa mitarbeiten wollten, sich im Rathaus zusammen fanden und beschlossen, sich zwei Kommunikationszentren in Schenefeld und Kiel anzusehen. Anschließend wurden potentielle Träger aufgefordert, Konzeptionen für ein Kommunikationszentrum einzureichen und schließlich fand der IB (Internationale Bund für Sozialarbeit), der damals auch der Träger des Kommunikationszentrums in Schenefeld war, die politische Mehrheit für sein Konzept. Wir vom AJC hatten auch einen Konzeptvorschlag eingebracht, hätten dann aber einen Verein gründen müssen. Da wir nicht als Berufsjugendliche enden wollten, ließen wir es sein. Die Selbstverwaltung ging natürlich über Bord bzw. wie Neumann-Silkow, der damalige 1. Stadtrat und zuständig in dieser Angelegenheit meinte: „Der neue Träger verwaltet sich doch selber“. Die neuen Sozialpädagogen sahen es noch nicht einmal als erforderlich an, mit uns Kontakt aufzunehmen. Das sollten sie büßen: Wir waren ja nicht aus der Welt und wussten aus jahrelanger Erfahrung, was zu tun ist, um das Personal ins Schwitzen zu bringen. Erst einmal verklebten wir das Schloss der Eingangstür kurz vor der offiziellen Eröffnung für die Politiker und die Presse, die dann alle vor verschlossenen Türen standen und mit ansehen mussten, wie Gerd Harms, der damalige Leiter, die Feuertreppe erklomm und die Fensterscheibe des Notausgangs einschlug, um ins Haus zu gelangen. Als das Haus dann für Besucher geöffnet war, trafen wir uns in der Villa und stellten die Hauptamtlichen auf die Probe: Wir gingen in einen leeren Raum und machten die Tür zu. Das machte sie ungeheuer nervös, so dass bald einer kam, um nachzusehen, was wir trieben. Oder wir nahmen unser Bier mit ins Haus und gingen, wenn das Haus abends geschlossen werden sollte, nur sehr langsam und zeitraubend aus dem Haus. Unsere Villa Kunterbunt hatte einen Anstrich grau in grau erhalten und Wandschmierereien fielen da natürlich gut auf. Außerdem sollte es ja Mitsprachemöglichkeiten der Jugendlichen in der Hausversammlung geben. Da kamen wir dann alle und führten die Hauptamtlichen vor. Die erste Generation der Sozialpädagogen war relativ schnell verbraucht. Dann übernahm Udo Auge die Leitung der Villa, der zuvor die Teestube in der Christuskirche Schulau betreut hatte. Er kannte zumindest die Wedeler Situation und die Geschichte des AJC’s, so dass es dann auch wieder möglich war, selbstverantwortlich das Haus zu nutzen mit eigenen Schlüsseln. Wir richteten dann eine „Kneipe“ ein, gestalteten die Räume in der mittleren Etage, organisierten Veranstaltungen und trafen uns einmal wöchentlich um unsere Angelegenheiten zu besprechen. Das war sozusagen AJC light. Das lief dann solange, bis die Stadt dem IB und damit auch Udo Auge den Vertrag kündigten. Anschließend übernahm die Miko den Laden. Die dort ansässige Musikinitiative kann man noch als Ausläufer der Aktion Jugendclub betrachten. Inzwischen liegt die Trägerschaft der Villa wieder bei der Stadt Wedel und wird von Mareike Jäger geleitet, die selbst als Jugendliche in den 90ern Besucherin des Hauses war. Auch die Musikinitiative organisiert weiterhin die Vergabe der Übungsräume, veranstaltet Konzerte und betreibt an einigen Abenden einen öffentlichen Betrieb. Highlight ihrer Aktivitäten ist das alljährlich stattfindende Sommerfest mit viel Live Musik.
Die finanzielle Situation der Stadt Wedel hat sich in den letzten 20 Jahren aus unterschiedlichen Gründen stetig verschlechtert, so dass der Wedeler Haushalt unter Einhalten von Sparauflagen in Kiel genehmigt werden muss. Klar, dass dann die Villa und auch andere freiwillige Leistungen der Stadt zur Disposition gestellt werden. Wie weiter oben schon geschrieben: Vom Kampf um unser Haus verstehen wir was und haben dazu den Verein „Lebendiges Wedel – Die Villa e.V.“ gegründet.
Wir freuen uns über jede tatkräftige und finanzielle Unterstützung!
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